Die Buche leidet nach wie vor unter den Folgen der extremen Hitze und Trockenheit, die in NRW vor allem zwischen 2018 und 2020 und in 2022 vorherrschte. Auch wenn sich seitdem die Wasserverfügbarkeit wieder deutlich verbessert hat (Abb. 2), sind die geschwächten Buchen anfälliger für Schadinsekten- und Pilzbefall, was letztendlich zum Absterben der Bäume führt (Rukh et al. 2023).
Der Wassermangel und hohe Temperaturen in der Oberkrone führen zu Embolien, also dem Verschluss von Wasserleitgefäßen, so dass die Blätter nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt werden (Leuschner 2020). Das Laub wird bereits im Sommer abgeworfen und es kommt vielerorts zum partiellen oder vollständigen Absterben der Krone. Insbesondere ältere Buchen (> 120 Jahre) waren davon betroffen. Diese Absterbeerscheinungen wurden anfangs vor allem auf (sehr) trockenen und flachgründigen Böden beobachtet, wie z.B. auf Kuppenlagen (Asche und Meier 2019). Allerdings wurde zunehmend von abgängigen Buchen auf gut nährstoff- und wasserversorgten Standorten berichtet, auf denen die Buche prinzipiell optimale Wuchsbedingungen vorfindet. Zudem sind vermehrt jüngere Buchenbestände von Dürreschäden betroffen.

Abb. 2: Thermopluviogramm der Vegetationsperiode (März-Oktober) von 1900 bis 2023 in Essen-Bredeney. Die Jahre 2018-2020 und 2022 waren ungewöhnlich heiß und trocken, das Jahr 2023 war sehr warm, gleichzeitig aber auch sehr niederschlagsreich (Datenquelle: DWD).
Um die aktuell auftretenden Schäden an der Buche zu erfassen, führt das Team Wald- und Klimaschutz eine regelmäßige, landesweite Abfrage zur Buchenvitalität bei den Regionalforstämtern (RFA) durch. Die Abfrage richtet sich sowohl an die von Wald und Holz NRW betreuten Flächen, als auch an private Waldbesitzende und kommunale Forstverwaltungen. Die Erfassung wurde erstmals 2019 und seitdem in einem zweijährigen Turnus (2021 und 2023) durchgeführt.
Ergebnisse der Buchenvitalitätsabfrage
Anteil der geschädigten Buchenflächen in NRW
Der zurückgemeldete Flächenanteil an geschädigten Buchen liegt für Bäume > 120 Jahre bei etwa 6.300 ha und für Bäume < 120 Jahre bei 3.800 ha (Abb. 3A). Im Jahr 2021 lag die Zahl etwas höher als in den Jahren davor und danach, aber es gab hier auch deutlich weniger Rückmeldungen (n = 104) als in 2019 (n = 169) und 2023 (n = 174). Dies hat möglicherweise zu einer leichten Verzerrung der Ergebnisse in diesem Jahr geführt (Abb. 3B). Insgesamt verbleibt der Anteil an geschädigten Buchen auf ähnlich hohem Niveau. Für die jungen und mittelalten Buchen (< 120 Jahre) wurde 2023 ein Anteil von etwa 19 % an geschädigten Flächen gemeldet. Hierzu gibt es allerdings keine Vergleichswerte zu den Vorjahren, da diese erstmals erfasst wurden.

Abb. 3: A) Zurückgemeldete Altbuchenfläche und der davon geschädigte Anteil in NRW für die Jahre 2019, 2021 und 2023. Für 2023 ist die Fläche junger und mittelalter Buchen und der davon geschädigte Anteil separat dargestellt. B) Anzahl der Rückmeldungen pro RFA inklusive der externen Forstverwaltungen.
Die Verteilung der Buchenfläche in NRW ist sehr unterschiedlich, aber die Rückmeldungen entsprechen prozentual in etwa der Baumartenverteilung in den einzelnen RFA. Im Durchschnitt wurden 32 % der Altbuchenfläche und 20 % der jungen und mittelalten Buchen < 120 Jahre (laut LWI) zurückgemeldet (Abb. 4).
Standortfaktoren
Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Standortfaktor (Nährstoffversorgung und Wasserhaushalt) und dem Auftreten von Buchenschäden hat ergeben, dass Schäden grundsätzlich auf allen Standorten auftreten können (Abb. 5). Selbst Bestände, die sich an besonders gut geeigneten Standorten befinden, weisen Schäden auf. Mäßig trockene/mäßig frische Standorte mit mesotroph-oligotrophen Böden wurden zwar am häufigsten in Verbindung mit Buchenschäden genannt, dies kann allerdings auch mit der Verfügbarkeit von Standorten in den einzelnen Forstbetriebsbezirken zusammenhängen. Prinzipiell toleriert die Buche in Bezug auf den Wasser-, Nährstoff und Wärmehaushalt eine weite Spannbreite. Selbst auf trockenen (dafür luftfeuchten und basenreichen) und ziemlich nährstoffarmen (dafür sehr gut wasserversorgten) Standorten kann sie konkurrenzfähig sein (Ruhm et al. 2016).

Abb. 5: Abfrage der Standortfaktoren für geschädigte Buchenflächen (Mehrfachnennungen möglich). Die Angaben berücksichtigen die Standortdrift, also die aktuellen Wasserhaushalts- und Nährstoffbedingungen.
Die Exposition bzw. die Lage und der Schlussgrad der Buchenbestände haben ebenfalls einen starken Einfluss auf das Auftreten von Buchenschäden. Buchenbestände in der Ebene werden am häufigsten genannt, gefolgt von Südhängen und Kuppenlagen (Abb. 6). Besonders betroffen sind lockere bis lichte Bestände mit ungünstigem Bestandesinnenklima (Abb. 7). Schäden treten also – wie zu erwarten – am häufigsten an warmen und trockenen Standorten auf, wobei auch Nord- und Osthänge als „am häufigsten betroffen“ genannt werden. Auch beim Schlussgrad kann oftmals keine Unterscheidung getroffen werden, da Schäden überall im Revier beobachtet werden. Je nach Region kommen gewisse Standorte allerdings auch nicht vor.

Abb. 6: Exposition der Buchenbestände, die am häufigsten Schäden aufweisen (nur Einzelnennungen)

Abb. 7: Schlussgrad der Buchenbestände, die am häufigsten Schäden aufweisen (nur Einzelnennungen)
Schadsymptome
Die Buchen weisen vor allem Schäden auf, die durch die Trockenheit verursacht wurden. Diese Schäden (v.a. partielle und komplette Kronentrocknis) nehmen seit der ersten Abfrage 2019 stetig zu (Abb. 9). Bei den jungen und mittelalten Buchen < 120 Jahre wurde in über 50 % der Fälle ein partielles Vertrocknen der Krone beobachtet. Auch Sekundärschädlinge, wie der kleine Buchenborkenkäfer, Buchenprachtkäfer und Pilzbefall werden häufiger zur Kenntnis genommen.

Abb. 8: Geschädigte Buchen in der Naturwaldzelle Hellberg (bei Scherfede, Ostwestfalen). Foto: Bernward Selter

Abb. 9: Zeitlicher Verlauf der beobachteten Schadsymptome und Schadorganismen an der Buche von 2019 bis 2023. Sonnenbrand wurde im Jahr 2023 erstmals erfasst.
Fazit
Die Ergebnisse der Abfrage zeigen, dass sich die Buche seit den Dürrejahren kaum erholt hat. Selbst 2023 (einem verhältnismäßig regenreichen Jahr) haben Symptome, die auf Trockenstress zurückzuführen sind, zugenommen. Dies entspricht auch den Ergebnissen des Waldzustandsberichtes 2023 für NRW (MLV 2023). Die Schäden, die erst nur auf ungünstigen Standorten beobachtet wurden, setzen sich nun auch auf guten Buchenstandorten fort. Zudem weist ein beachtlicher Teil der jungen und mittelalten Buchen Schädigungen auf. Lichte, sonnenexponierte Bestände auf mesotroph-oligotrophen, mäßig trockenen/mäßig frischen Standorten sind absolut betrachtet am häufigsten von Schäden betroffen.
Literatur
- Asche, N., Meier, H. (2019): Buchensterben im Raum Detmold – Trocknis und Buchenborkenkäfer als Ursache? https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/buchensterben-im-raum-detmold.
- Leuschner, C. (2020): Drought response of European beech (Fagus sylvatica L.) - A review. Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics, 125576.
- Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MLV) (Hg., 2023): Waldzustandsbericht NRW 2023. Bericht über den ökologischen Zustand des Waldes in Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf.
- Ruhm, W., Englisch, M., Starlinger, F., Geburek, T., Perny, B. & Neumann, M. (2016): Baumartenportrait Rotbuche (Fagus sylvatica L.). https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/baumartenportrait-rotbuche.
- Rukh, S., Sanders, T. G., Krüger, I., Schad, T., Bolte, A. (2023): Distinct Responses of European Beech (Fagus sylvatica L.) to Drought Intensity and Length – a Review of the Impacts of the 2003 and 2018-2019 Drought Events in Central Europe. Forests, 14(2): 248.