Die Eichennetzwanze (Corythucha arcuata) stammt aus Nordamerika, wurde zu Beginn des Jahrhunderts erstmals in Italien und in der Türkei nachgewiesene und begann ab 2012 mit ihrer bemerkenswert erfolgreichen Ausbreitung über den Balkan nach Mitteleuropa. Befallsgebiete in Österreich befinden sich derzeit in der Ost- und Weststeiermark (mit Einzelfunden auch weiter nördlich), im Burgenland, südöstlichen Niederösterreich und in Wien, sowie in noch geringerer Dichte in Teilen Niederösterreichs und Kärntens. Im Sommer 2024 war in Österreich eine Phase massiver Ausbreitung zu beobachten. 

Schadwirkung

Die Eichennetzwanze saugt sowohl im Erwachsenen- wie auch im Jugendstadium an Blättern von Eichen. Die bei uns heimischen Arten Stieleiche, Traubeneiche, Zerreiche und Flaumeiche zählen zu den bevorzugten Wirten. Die entfernter verwandte Roteiche wird nicht angenommen. Bei sehr hohen Dichten werden auch andere Gehölze wie etwa Brombeere, Hainbuche, Ulme, Edelkastanie oder Buche befallen. Dies ist zu beobachten, wenn die Blätter benachbarter Eichen bereits stark geschädigt sind.

Die Saugtätigkeit der Nymphen und der erwachsenen Wanzen schädigt das Blattgewebe, erkennbar an vergilbten Flecken, wodurch die Photosyntheseleistung messbar zurückgeht. Stark befallene Blätter werden im Sommer gelb und können völlig austrocknen. Eichenkronen fallen dann aufgrund ihrer Färbung schon aus großer Entfernung auf. Auch mehrjähriger, starker Befall ist für die Eiche nicht tödlich, da sich die Schäden erst im Laufe der Saison aufbauen. Allerdings ist anzunehmen, dass die Eichen geschwächt werden, wodurch die Wirkung weiterer Schadfaktoren, wie Mehltaubefall, Fraß durch Schmetterlingsraupen oder Dürre verstärkt werden und die Anfälligkeit für sekundäre Schädlinge steigen könnte. Erwartet werden negative Auswirkungen auf die Samenproduktion. Darüber hinaus wird der jährliche Verlust von Eichenblattmasse stark negative Folgen für andere, spezialisierte Pflanzenfresser an Eiche haben. 

Auch für den Menschen kann die Eichennetzwanze unangenehm werden. Als sich in diesem Sommer die erste Generation dieses Jahres fertig entwickelt hatte, und die erwachsenen Wanzen ausflogen, kam es zu Berichten über massive Belästigung bis hin zu Stichen, die in manchen Fällen auch Hautirritationen verursachen können. Allerdings ist die Art im Gegensatz etwa zur Bettwanze kein Parasit beim Menschen, es dürfte sich eher um zufällige Kostproben handeln.  

Ausbreitung und Gegenmaßnahmen

Analysen der frühen Funde zeigen, dass die Eichennetzwanze auf mehreren Wegen ins Land gelangt sein musste. Die in großer Zahl vorkommenden, agilen und winzig kleinen Netzwanzen sind prädestiniert, um als blinde Passagiere mit verschiedensten menschlichen Transportmitteln, von privaten PKW, über LKW bis zur Eisenbahn, auch über längere Distanzen mitzureisen. Die Fundorte im Zusammenhang mit Verkehrsinfrastruktur belegen dies deutlich. Passive Verbreitung mit Luftströmungen dürfte bei den im heurigen Sommer beobachteten Massenauftreten eine wichtige Rolle gespielt haben, es gab zahlreiche Meldungen auch aus Gebieten mit sehr wenig oder ohne Eichen. Aufgrund dieser sehr effizienten Ausbreitung auf breiter Front sowie der Unmöglichkeit, die etablierten Populationen wieder auszurotten wurde die Eichennetzwanze in der EU nicht als Quarantäneschädling geregelt. Die Art ist also nicht meldepflichtig, bei deren Auftreten sind keine Maßnahmen vorgeschrieben.

Bislang ist die Eichennetzwanze von heimischen natürlichen Gegenspielern, wie Parasiten oder Räubern kaum in Visier genommen worden. Mit zugelassenen Insektiziden kann eine Reduktion der lokalen Eichennetzwanzen-Population erzielt werden, allerdings stellt sich im Laufe der Saison wieder eine Erholung ein, nicht zuletzt durch Zuwanderung aus nichtbehandelten Flächen. Ein mehrmaliger und großflächiger Insektizideinsatz hätte inakzeptable Nebenwirkungen für die Umwelt. Im Wald ist dies daher nicht möglich. Die Eichennetzwanze scheint höchst erfolgreich beim Kolonisieren neuer Gebiete. Auch einzelne Eichen in Mischbeständen werden gefunden und mit der Zeit befallen. Allerdings deuten Untersuchungen darauf hin, dass die Intensität des Befalls in gemischten Beständen etwas geringer als in Reinbeständen ist. Um die negativen Auswirkungen des invasiven Schädlings langfristig zu verringern, sollte nach Möglichkeiten der klassischen biologischen Schädlingskontrolle gesucht werden. Erste Forschungen laufen, um parasitische Insekten im amerikanischen Heimatgebiet der Eichennetzwanze zu identifizieren, die man nach Europa nachführen könnte. Bevor aber eine derartige Einbürgerung stattfinden kann, sind umfangreiche Untersuchungen nötig, um auszuschließen, dass es nach einer Freilassung zu unerwünschten Nebeneffekten kommt. 

Auch wenn die Eichennetzwanze bis auf Weiteres bleiben wird, soll nicht von der derzeitigen Förderung der Eiche abgegangen werden. Diese Baumgattung bleibt im Klimawandel sehr wichtig. Anders als etwa beim Eschentriebsterben ist der Schädling nicht letal. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich das Verhältnis zwischen Netzwanze und Eiche entwickelt. Bedeutend wird sein, vorhandene Mast bzw. Verjüngung zu nutzen, wenn sie sich anbietet.