Amphibien
Auch der seltene Feuersalamander (Salamandra salamandra) verbringt einen Teil seines Lebens in Gewässern. Einmal im Jahr zwischen April und Juli gebären die befruchteten Weibchen die Larven in meist kühlen Quellbächen. Als Larven leben die Feuersalamander in sauberen, kühlen Gewässern. Den Großteil ihres Lebens verbringen sie aber an Land in angrenzenden strukturreichen und feuchten Mischwäldern. Feuersalamander können in einzelnen Fällen von Querverbauungen in Bachoberläufen profitieren. Abschnitte, die für Forellen und Groppen unzugänglich sind, zeigen bisweilen außergewöhnlich hohe Dichten von Larven des Feuersalamanders.
Fische
Typische Fischarten der Waldbäche sind Arten der oberen Gewässerläufe. In einem gesunden Waldbach finden sich Bachneunaugen, Groppen und Bachforellen. Alle drei Arten benötigen Teilhabitate, die mosaikartig und räumlich eng zusammenliegen. Totholz, feines und grobes Substrat, genügend Unterstände und verschiedene Strömungsgeschwindigkeiten bringen den benötigten Strukturreichtum in die Lebensräume. Eine detaillierte Beschreibung der Habitatansprüche der einzelnen Arten liefert die Landesstudie Gewässerökologie des Landes Baden-Württembergs.

Abb.2. Die Larven des Bachneunauges (“Querder”) verbringen ihr gesamtes Leben im Sediment der Bäche. Foto: Lorenz Seebauer, Bachneunaugen Querder, Ausschnitt (CC BY-SA 4.0)
Bachneunaugen (Lampetra planeri) verbringen den Großteil ihres Lebens als Larven, sogenannte “Querder”, vergraben im Sediment, wo sie Nahrungspartikel aus dem Wasser filtrieren. Im Spätsommer bis Herbst verlassen die zu adulten Tieren herangewachsenen Individuen das Sediment. Dann schwimmen sie stromaufwärts und nehmen keine Nahrung mehr zu sich. Im Frühjahr kann man schließlich die adulten Tiere dabei beobachten, wie sie über sogenannten Laichgruben im feinen Sand ihre Eier ablegen.

Abb. 3. Bachneunauge (Lampetra planeri). Adulte Tiere erreichen eine Länge bis 20 cm. Foto: Jelle Wissink, Beekprik (Lampetra planeri) (CC BY-SA 4.0)
Groppen (Cottus gobio) werden etwa 15 cm lang und leben in kalten, klaren und schnell fließenden Bächen. Sie besitzen keine Schwimmblase und sind deshalb schlechte Schwimmerinnen. Sie bewegen sich vor allem "hüpfend" fort, indem sie ihre starken Brustflossen benutzen. Abstürze ab 10 cm Höhe sind für sie bereits unüberwindbare Hindernisse.
Abb. 4. u. 5. Die Groppe (Cottus gobio) ist am Bachgrund durch ihre Färbung gut getarnt. Schwellen stellen für sie unüberwindbare Hindernisse dar. Fotos: Lisa Gollent (4), Piet Spaans (5), CottusGobioSpreadingFins (CC BY-SA 2.5)
Die Bachforelle (Salmo trutta) kommt schwerpunktmäßig in den Oberläufen der Fließgewässer vor. Sie wird bis zu 35 cm lang und ist mit verschiedenen Unterarten vertreten. Sie ist als Leitart Namensgeberin für die sogenannte Forellenregion der Fließgewässer. Die Bachforelle ist auf ein eng beieinanderliegendes Habitatmosaik aus verschiedenen Strukturen angewiesen. So benötigt sie beispielsweise zum Laichen überströmte Kiesflächen, flache, strömungsarme Uferbereiche zur Juvenilentwicklung und Deckungsstrukturen im Adultstadium.

Abb. 6. Bachforelle. Foto: Stefan Weigel, Bachforelle Stadtbach (CC BY 3.0)
Bachmuscheln

Abb. 7. Bachmuschel. Foto: Lorenz Seebauer, Unio crassus lebend (CC BY-SA 4.0)
Die vom Aussterben bedrohte und streng geschützte Bachmuschel (Unio crassus) besiedelt vor allem saubere, sauerstoffreiche Fließgewässer bis in die Oberläufe, die eine mäßige bis starke Strömung aufweisen. Die Muscheln sind auf einen gesunden Fischbestand in ihrem Lebensraum angewiesen. Die Larvalstadien der Muscheln leben für einige Wochen als Parasiten auf den Kiemen ihrer Wirtsfische (z. B. Elritze, Groppe, Döbel). Die Tiere reagieren sehr empfindlich auf Störungen in ihrem Lebensraum und Sedimenteinträge.
Makrozoobenthos

Abb. 8. Steinfliegenlarven (Perla marginata) sind Zeiger für gute Wasserqualität. Erkennungsmerkmale sind zwei perlschnurartige Schwanzanhänge und Kiemenbüscheln an den Beinansätzen. Foto: MallaurieBrach, Perla marginata, la Brèze (Cévennes) (CC BY-SA 4.0)
Die meisten Organismen im Bach sind erst zu erkennen, wenn man unter die Steine des Bachbetts blickt. Zahlreiche wirbellose Kleinlebewesen, das sogenannte Makrozoobenthos, leben im vom Wasser durchströmten Lückensystem der Bachsohle, das sogenannte Interstitial. Darunter sind viele wassergebundene Insekten (z. B. Libellen, Steinfliegen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen u. a.). Sie verbringen hier im geschützten Lückensystem ihr Larvenstadium, das meist viel länger dauert als das Adultstadium. Eintagsfliegen verbringen zum Beispiel mehrere Monate bis Jahre als Larven. Als Adulttier sterben sie meist nach 1-4 Tagen. Viele dieser Insektenlarven sind wichtige Zeigerorganismen für eine gute Wasserqualität (z. B. Steinfliegenlarven, Abbildung 8). Neben den Insektenlarven gehören unter anderem Bachflohkrebse, Ringelwürmer, Plattwürmer und Schwimmkäfer zum Makrozoobenthos der Waldbäche.
Flusskrebse

Abb. 9. Steinkrebs. Foto: Christoph Leeb, Steinkrebs (CC BY-SA 3.0 DE)
In Baden-Württemberg kommen drei heimische Flusskrebsarten vor: Edelkrebs (Astacus astacus), Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) und Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes). Alle drei sind auf der Roten Liste als stark gefährdet (Edel- und Steinkrebs) bzw. vom Aussterben bedroht (Dohlenkrebs) geführt (Stand 2014). Die Hauptgefährdungsursache sind die Verbreitung von invasiven, nordamerikanischen Flusskrebsarten durch direkte Konkurrenz und die Übertragung der sogenannten Krebspest. Die Krebspest wird durch einen Scheinpilz (Aphanomyces astaci) verursacht und führt bei den europäischen Krebsarten innerhalb kurzer Zeit zum Tod.

Abb. 10. Edelkrebs. Foto: Dragon187, Astacus astacus male (CC BY-SA 3.0 DE)

Abb. 11. Dohlenkrebs, Foto: David Gerke, Austropotamobius pallipes (CC BY-SA 3.0)
Invasive Flusskrebse
Die invasiven Krebsarten sind weitestgehend unbeeinträchtigt von dem Krebspest-Erreger und wirken als Überträger der Krankheit. Inzwischen gibt es sechs gebietsfremde, invasive Flusskrebsarten, die die heimischen Arten verdrängen: Galizierkrebs (Pontastacus leptodactylus), Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus), Kamberkrebs (Faxonius limosus), Kalikokrebs (Faxonius immunis), Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) und Marmorkrebs (Procambarus virginalis).

Abb. 12. Galizierkrebs. Foto: Ullrich Mühlhoff, Astacus leptodactylus Blausteinsee 05 (CC BY-SA 3.0)

Abb. 13: Signalkrebs. Foto: Astacoides, Signal crayfish female Pacifastacus leniusculus (CC BY-SA 3.0)

Abb. 14. Kamberkrebs. Foto: Astacoides, Kamberkrebs spiny-cheek crayfish Orconectes limosus male (CC BY-SA 3.0)

Abb. 14. Kalikokrebs. Foto: Astacoides, Orconectes immunis Kalikokrebs calico crayfish (CC BY-SA 3.0)

Abb. 15. Roter Amerikanischer Sumpfkrebs. Foto: Roberto Ferrari, Gambero Rosso (CC BY-SA 2.0)

Abb. 16. Marmorkrebs. Foto: Chucholl C., Marmorkrebs Procambarus fallax forma virginalis (CC BY-SA 3.0)
Der Signalkrebs dringt weit in die Oberläufe der Gewässer vor und gilt damit als größte Gefahr für die heimischen Arten. Um die letzten heimischen Krebspopulationen vor dem Eindringen der Krebspest zu schützen, werden häufig sogenannte Krebssperren errichtet.
Neben der Gefährdung durch Invasive Krebsarten und der Krebspest bedrohen Gewässerverschmutzung und die Degradierung des Lebensraums die heimischen Flusskrebsarten.
Handlungsbedarf
Naturnahe Bäche sind von einer Vielzahl an Organismen belebt. Die meisten sind auf einen hohen Strukturreichtum, ein intaktes Gewässerbett und die Durchgängigkeit innerhalb des Gewässers angewiesen. Um die teils stark vom Aussterben bedrohten Arten zu schützen, müssen verbaute Gewässerabschnitte renaturiert und intakte erhalten werden.
Literatur
- Fischökologisch funktionsfähige Strukturen in Fließgewässern (Landesstudie Gewässerökologie des Landes-Baden-Württembergs): https://rp.baden-wuerttemberg.de/themen/wasserboden/gsgoe-download/
- Rote Liste Baden-Württemberg der LUBW Baden-Württemberg: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/en/natur-und-landschaft/rote-listen
- Chucholl, C., Brinker, A. (2017): Der Schutz der Flusskrebse – ein Leitfaden. Ministerium für Ländlichen Raum Baden-Württemberg, Stuttgart, 84 S.
- Engelhardt, W., Martin, P., Rehfeld, K. (2020). Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher. Kosmos.