Die unterstütze Migration von Bäumen ist aktuell in aller Munde. Grade mit den raschen Umweltveränderungen und dem damit erhöhten Bedarf an Anpassungsstrategien in der Waldbewirtschaftung sind fundierte Kenntnisse über diese Baumarten von großer Bedeutung. Doch einige der jetzt gefragten Bäume sind schon seit über einem Jahrhundert in unseren Wäldern zu finden – und liefern den Forschenden interessante Ergebnisse.

Die deutsche Übersetzung des Artikels finden Sie auf der Internetseite des LFE

 

Alternative Baumarten schon seit über 120 Jahren in Brandenburg

Schon vor mehr als 120 Jahren wurden in Brandenburg ausgewählte heimische und nichtheimische Baumarten zu Forschungszwecken gepflanzt. Heute bieten diese Bestände die Möglichkeit, Erkenntnisse über ihre Leistung und Wachstumsreaktion während des vergangenen Jahrhunderts zu sammeln. Die Analyse umfasste den Höhenzuwachs von 18 Baumarten auf 1.765 Langzeitversuchsflächen, von denen die frühesten seit 1878 beobachtet wurden. Für zwei dieser Baumarten untersuchten die Forschenden zusätzlich den Volumenzuwachs auf 60 unbewirtschafteten Parzellen. Die Ergebnisse zeigten einen zunehmenden Trend beim Wachstum der Waldbestände für die Waldkiefer (Pinus sylvestris L.) und die Traubeneiche (Quercus petraea (Matt.) Liebl.).

Vergleich der Wachstumstrends in unbewirtschafteten Versuchsflächen

Die Forschenden analysierten regionale Wachstumstrends für 18 heimische und nichtheimische Baumarten auf der Grundlage der dominanten Baumhöhe und des Waldbestandsvolumens von unbewirtschafteten Versuchsflächen für zwei einheimische Arten. Die Ergebnisse bestätigen die auf europäischer Ebene festgestellten positiven Wachstumstrends für die Waldkiefer auf Bestandsebene. Außerdem konnten positive regionale Wachstumstrends für Traubeneichenbestände nachgewiesen werden. Der langfristige Höhenzuwachs zeigte jedoch positive, negative und indifferente Wachstumstrends als Reaktion auf veränderte Umweltbedingungen.

Wachstumsrückgang in den 2000ern

Bemerkenswert ist, dass 16 von 18 Arten zwischen den Jahren 2000 und 2020 einen Wachstumsrückgang verzeichneten, was wahrscheinlich auf die zunehmende Häufigkeit einzelner und aufeinander folgender Dürreereignisse zurückzuführen ist. Ausgehend von den Ergebnissen gibt es keine klare Unterscheidung zwischen nichtheimischen und heimischen Baumarten, da keine der beiden Gruppen besser abschneidet als die andere. Vielmehr wiesen einige Arten in beiden Gruppen langfristige Vorteile auf, zeigten aber auch Wachstumseinbußen aufgrund der jüngsten Dürreereignisse.

„Die Waldbewirtschaftung sollte die Rolle heimischer und nichtheimischer Arten in klimaangepassten Wäldern überdenken. Wir empfehlen, sich bei der Unterstützung der Migration auf die Herkunft und die lokale Standortanpassung zu konzentrieren.“ 

MARKUS ENGEL

Fazit

Die Ergebnisse stellen die weit verbreitete Behauptung in Frage, dass nichtheimische Baumarten den heimischen Arten in zukünftigen klimaangepassten Wäldern überlegen sein können. Vielmehr sollten die derzeitigen Waldbewirtschaftungsprogramme neu bewertet werden und die aktuellen Erkenntnisse über die unterstützte Migration und die Bedeutung der Herkunft der Arten und der lokalen Standortbedingungen für das Wachstum der Bäume berücksichtigen. Der regionale Studienschwerpunkt reicht jedoch nicht aus, um die politischen Rahmenbedingungen in größerem Maßstab zu ändern. Vielmehr unterstreicht die Studie die Notwendigkeit, ein mechanistisches Verständnis des Baumwachstums und der Umweltfaktoren zu entschlüsseln. Dies kann durch Waldüberwachungsnetze in größerem Maßstab verbessert werden, die es ermöglichen, die Reaktionen des Baumwachstums über größere Umweltgradienten zu untersuchen.

Trotz des enormen Aufwands, der mit der Pflege langfristiger Versuchsflächen verbunden ist, argumentiert das Forscher-Team, dass die Einbeziehung der aus diesen Experimenten gewonnenen Erkenntnisse in die Entwicklung künftiger Anpassungsmaßnahmen in der Waldbewirtschaftung auch in Zukunft eine wertvolle Strategie darstellt.

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