Kleiner als ein Wolf, größer als ein Fuchs

Der Goldschakal gehört wie der Wolf, der amerikanische Kojote und der Haushund zur Gattung Canis innerhalb der Hundeartigen. Das Tier ähnelt farblich einem Wolf, in der Größe einem Fuchs. Diese Ähnlichkeit führt zu Verwechslungen. Deutliche Unterscheidungsmerkmale zum Fuchs sind der wesentlich kürzere Schwanz und der vergleichsweise gedrungene Körperbau. So wiegt ein in Europa lebender Goldschakal im Durchschnitt zwischen acht und 16 Kilogramm. Zum Vergleich: ein Wolf wiegt zwischen 25 und 35 Kilogramm, ein Fuchs zwischen 4,6 und 7,7 Kilogramm.

Langstreckenläufer

Ursprünglich lebten Goldschakale vor allem im äußersten Südosten Europas und in Südasien. Seit einigen Jahrzehnten breiten sich die Tiere weiter in den Norden und Westen aus. Auf ihren Wanderungen können Goldschakale Distanzen von mehreren hundert Kilometern zurücklegen. So hat sich die Art in den vergangenen Jahrzehnten selbstständig neue Lebensräume erschlossen, dort angesiedelt und vermehrt. Die Gründe für die Ausbreitung dürften vielfältig sein: Veränderungen des Klimas, der Kulturlandschaft und Habitatstrukturen, des Lebensraumes und der Nahrungsgrundlagen, die regionale Abwesenheit von Konkurrenten wie dem Wolf und einige mehr.

Von Ost nach West

Nach dem ersten Nachweis eines Goldschakals in Deutschland 1997 in Brandenburg dauerte es ein Jahrzehnt, bis 2007, 2012 und 2014 weitere Einzelnachweise in Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gelangen. In den darauffolgenden Jahren konnten auch in Hessen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen erste Exemplare nachgewiesen werden. Heute gibt es nur noch wenige Bundesländer, in denen die Anwesenheit des Goldschakals noch nicht bestätigt wurde. 

Gekommen, um zu bleiben

Ab 2019 wurde in verschiedenen Regionen in Hessen, Thüringen und Baden-Württemberg beobachtet, dass sich einzelne Tiere erstmals über einen längeren Zeitraum in einem Gebiet aufhalten und territorial verhalten. In Baden-Württemberg konnte im Jahr 2021 im Schwarzwald-Baar-Kreis die erste Reproduktion der Art in Deutschland nachgewiesen werden. Im selben Gebiet kam es in den Folgejahren wiederholt zu Nachwuchs. 2024 konnten auch im Landkreis Konstanz Welpen bestätigt werden. Außerhalb Baden-Württembergs wurde bisher nur einmal die Reproduktion des Goldschakals im Landkreis Uelzen in Niedersachsen (2022) nachgewiesen.

Schutz durch EU-Recht

Der Goldschakal ist in Deutschland durch die europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) geschützt und im Anhang V gelistet. Hiernach soll ein günstiger Erhaltungszustand der Tierart erreicht werden. Eine Bejagung ist aktuell auf dieser Grundlage rechtlich nicht möglich. Die Europäische Kommission ordnet den Goldschakal als nicht gebietsfremd ein. Im Gegensatz zu Neozoen wie Marderhund, Waschbär oder Nilgans wurde der Goldschakal nicht durch den Mensch in neue Gebiete verbracht, sondern breitet sich von selbst aus. In den Jagdgesetzen der Bundesländer ist der Goldschakal bisher lediglich in Niedersachsen mit einer ganzjährigen Schonzeit aufgeführt.

Management erstrebenswert

Welche Rolle der Goldschakal in der hiesigen Kulturlandschaft einnehmen wird, ist noch nicht klar absehbar. In bestimmten Situationen, Regionen und Fällen ist davon auszugehen, dass ein angepasstes Management entwickelt werden muss. Der Goldschakal ist grundsätzlich in der Lage, Nutztiere zu töten. Bisher sind in sechs Bundesländern Fälle bekannt, in denen Schafe gerissen wurden (Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein). 

Forschung noch am Anfang

Monitoring und wissenschaftliche Untersuchungen sind Voraussetzungen für ein sinnvolles Management. Bislang fehlt es an Studien, um das Gefährdungspotenzial für Nutztiere fundiert darstellen zu können. Auch über die Auswirkungen des Goldschakals auf andere Wildtiere liegen noch zu wenige Erkenntnisse vor. Da er eine ähnliche ökologische Nische besetzt wie der Rotfuchs und andere (Meso-)Prädatoren, könnte er deren Dichte und Verhalten beeinflussen. Ob der Goldschakal auch Beutetiere in ihren Beständen gefährden kann, hängt wahrscheinlich von weiteren Faktoren ab: Struktur des Lebensraumes, Dichte und Häufigkeit der Beutetierart sowie das Vorkommen und Management anderer Prädatoren. 

Spezielle wildbiologische Untersuchungen würden helfen, mehr über dieses Tier zu erfahren. Sozialwissenschaftliche Forschung könnte zu einem konstruktiven Umgang in der Gesellschaft beitragen.